Ausstellungsarchiv ab 2021

Natascha Kaßner und Ilka Rautenstrauch - Gemischte Aussichten

Jens Weyers -"Double"

Sirma Kekeç - Love is the answer

Heike Kati Barath und Dirk Meinzer - Duett am Mittag

 

 


Natascha Kaßner und Ilka Rautenstrauch

Natascha Kaßner, Nächtliches Bad in LA, 2019  -  Ilka Rautenstrauch, Figur mit blauer Hose, 2017

 

Gemischte Aussichten

16.04. - 21.05.2021


Natascha Kaßner Malerei und Zeichnung

Ilka Rautenstrauch – Holzskulpturen

 

FINISSAGE am Donnerstag, 20. Mai 2021 ab 18 Uhr, die beiden Künstlerinnen sind anwesend.

Die geplante Eröffnung am 16. April fand coronabedingt nicht statt.

Die Rede von Claudia Cristoffel liegt in der Galerie aus und unten als Download.

 

In der Galerie treffen die Holzskulpturen Ilka Rautenstrauchs die gemalten Frauen Natascha Kaßners. Während die einen sommerlich bekleidet auf ihren Holzsockeln stehen, blicken die anderen leicht desorientiert von den Wänden. „Was nun“ scheinen sie alle zu denken.


Natascha Kaßners Frauen sind mal „Reiche Schwestern“, mal eine „Badende“, die nachts ihrem Pool entsteigt oder eine Frau vor leerer Tafel, „Keine Gäste“ eben. Neben diesen großen Arbeiten sind auch kleinformatige figürliche Malereien zu sehen. Schöne Aussichten bieten den versammelten Figuren ganz aktuell entstandene Landschaftszeichnungen Natascha Kaßners. In ihrem Werk verfolgt sie gegenständliche wie abstrakte Ansätze und bedient sich unterschiedlicher Medien. So finden sich neben den figürlichen farbigen Arbeiten auch abstrakte Zeichnungen, Millimeterbilder, Collagen, Fotoübermalungen und Objekte.

 

Ist das Holz? Fragt man sich beim Betrachten der Skulpturen Ilka Rautenstrauchs und hat so schon ein zentrales Thema der Bremer Bildhauerin erfasst. Denn um Verfremdung des Materials geht es der Bildhauerin bei den Holzfiguren, die aus Pappelholz gefertigt sind - jedoch in ihrer Materialität an Kunststoff oder Wachs erinnern.

 

Meist sind es menschenähnliche Figuren oder Halbfiguren - jünglingshaft, ohne bestimmbares Alter, meist ohne Haare und sehr schlank, wenig bis gar nicht bekleidet - deren Gesichtszüge und Körperhaltungen eine ruhige, abwartende Haltung einnehmen. Sie stehen einfach so für sich, ohne zu verraten, woher sie kommen oder wohin es geht. Eine eigene Gattung, die irritiert, vielleicht verstört und doch auch anzieht und Neugierde weckt.

 

Natascha Kaßner lebt und arbeitet in Berlin und Oldenburg. Ilka Rautenstrauch lebt in Bremen. Beide KünstlerInnen unterrichten am Institut für Kunst und visuelle Kultur an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg.

 

 

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Rede von Claudia Christoffel.pdf
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Jens Weyers

„Double“

Fotografie

06.03. - 9.04.2021

 

Die fotografischen Arbeiten, aus der Reihe „Double“ scheinen sich aus beiläufigen Motiven zusammenzusetzen, doch bei genauerem Hinsehen werden präzise Formen und Strukturen sichtbar.

Urbane Architekturen stehen sich selbst aus verschiedenen Perspektiven gegenüber oder sind mit scheinbar marginalen Dingen ihrer unmittelbaren Umgebung konfrontiert. Jens Weyers hat einen Blick für die gerade noch vorhandenen oder für künstliche, neue Ortsidentitäten - für den aus unserer Aufmerksamkeit gerutschten, öffentlichen Raum.

Zwischen Mensch und Raum besteht eine Art Beziehungslosigkeit. Auch im nichturbanen Umfeld finden sich diese Orte, deren auf Linien und Oberflächen reduzierte Strukturen fast noch stärker den Eindruck der "Ortlosigkeit" erwecken. Weyers fotografiert seine Serien “Double“ auf Reisen, häufig nach Aufträgen in anderen Städten, wenn Zeit zum Herumtreiben und Entdecken ist.

 

Text und Rede zur Ausstellung von Alejandro Perdomo Daniels:

 

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Sirma Kekeç - Love is the answer

22.01. - 28.02.2021

 

 

Hier geht's zum virtuellen Rundgang:

LOVE IS THE ANSWER

 

Was tun, wenn die Krise in unser Leben tritt? Wenn sie mit voller Vehemenz zuschlägt und alle Anker aus dem Boden reißt. Unerwartet, wie aus dem Nichts. Die Bremer Künstlerin Sirma Kekeç erprobt in ihrer Ausstellung verschiedene gestalterische Strategien, die der Krise begegnen – mal zaghaft mit nachdenklichen, mitunter sehr intimen Einblicken, mal selbstbewusst mit einer spielerischen Gelassenheit und Freude. Kunst ist hier kein therapeutisches Mittel, sondern eine Möglichkeit der emotionalen Leere etwas Greifbares gegenüberzustellen, dem Zustand der Unklarheit und Unsicherheit mit schöpferischen Trotz die Stirn zu bieten. Kekeç nutzt dabei eine Vielzahl künstlerischer Formen, von Siebdruck, Malerei und Zeichnung über skulpturale Objekte und Installationen bis hin zu einer Soundarbeit. Darunter sind viele neue Arbeiten, die speziell für die Ausstellung entstanden sind.

Von einem Plattenspieler ertönt von Zeit zu Zeit Musik. Es sind private Konzertmitschnitte aus den vergangenen Jahren, als gemeinschaftliche Musikerlebnisse noch unbeschwert möglich waren. Die Tonaufnahmen hat Kekeç auf Röntgenbilder gepresst, die in der Ausstellung jederzeit ausgewählt und aufgelegt werden dürfen. Persönliche Schreckensbilder werden so mit Klängen guter Zeiten kombiniert, Einblicke in den Körper der Künstlerin mit Momenten ausschweifender Ekstase verbunden. Anspielungsreich dazu der Titel Music is the key.

Häusliche Strategeme heißt wiederum eine Serie, die während des ersten Corona-Lockdowns 2020 begonnen wurde. Texte und Bilder werden hier assoziativ aufeinander bezogen. Beispielsweise ein Schmetterling, gefangen und verklebt in einer Lache aus geschmolzenem Eis, ein Schattenwurf auf einem Vorhang oder eine faszinierende Wolkenformation. „WOW is just a reflection of MOM“ heißt es daneben oder auch „Love is the answer“. Die Bilder sind als Puzzle angelegt, die vor Ort in der Ausstellung zusammengesetzt werden können. Das gemeinsame Spielen wird hier als ein essentielles Bedürfnis zelebriert, aber auch als eine Zusammenhalt stiftende Strategie, die alle einbezieht und niemanden zurück lässt.

Das häusliche Umfeld, für viele ein letzter Rückzugsort und Schutzraum, wird in vielerlei Hinsicht Ausgangspunkt weiterer Arbeiten. So zum Beispiel auch das Haustier der Familie, eine Mischung aus Heilige Birma- und Perserkatze. Die weichen Haare hat Kekeç über Monate gesammelt und zu kleinen, runden Objekten verfilzt, die nun wie Kostbarkeiten in einer gläsernen Schatulle ausgestellt werden. Und für das Spiel der Königinnen hat die Künstlerin mit ein wenig Farbe kleine Holzschachteln in ein mahnendes, weithin sichtbares Wandobjekt verwandelt. Rote Kreuze, angeordnet in einem Raster, werden so zu einem Sinnbild einer überstandenen Krise, die von der Künstlerin gleichermaßen als Endpunkt und Neustart betrachtet wird.

Was also tun, wenn sich die Dinge plötzlich ändern? Wenn uns das Leben zu entgleiten droht. Sei es eine Krankheit, ein persönlicher Verlust, sei es ein verstörender Blick, ein falsches Wort. Oder aber das große Ganze, das sich unerwartet ändert und uns aus der Bahn wirft. Sirma Kekeç macht einfach weiter. Sie füllt die entstandene Leere, schafft nach und nach Objekte, Situationen und Erfahrungen, die greifbar sind und sie nicht mehr loslassen. Love is the answer!

 

Ingo Clauß

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Weser Kurier 20.02.2021.pdf
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Galerieansichten - Fotos: Lukas Klose

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Heike Kati Barath und Dirk Meinzer

04.12.20 - 15.01.2021

 

DUETT VOM MITTAG

Die Eröffnung am Freitag, 04.12.2020 entfällt, die Galerie ist an diesem Tag von 15 - 21 Uhr geöffnet.
Statt der geplanten Einführung gibt es ein Gespräch, das Dr. Annett Reckert mit Heike Kati Barath und Dirk Meinzer geführt hat, nachzulesen hier als PDF-Download:
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Dr. Annett Reckert im Gespräch.pdf
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Zu den Kollaborationen von Heike Kati Barath und Dirk Meinzer
Bei Dirk Meinzer und Heike Kati Barath agiert das gemeinsame Schmunzeln im Pinsel oder Stempel als nonverbale Kommunikation. Die Kollaboration ist mit dem Splitscreen vergleichbar. Geteilte Interaktion innerhalb eines Bildfeldes, -allein die Anwesenheit des anderen prägt das eigene Tun. Zwei Blicke, die beide sehen. Die Kollaborationen finden zwischen diesem Vorzeigen, das den eigenen Blick transformiert und der Überschreibung der anderen Persönlichkeit statt.
Bei Barath und Meinzer ist es ein stetiges Hin-und Her. Wobei die kontinuierliche Kommunikation nicht deckungsgleich zu den unwiderruflichen Eingriffen in den gemeinsamen Bildkörper verläuft. Es ist weniger der Moment einer Absprache als vielmehr die Überraschung des nächsten Schritts, auf den man reagieren muss. Die Zusammenarbeit ist keine einfache: Grundlage ist die gegenseitige Wertschätzung der Werke, aber die Balance muss stetig ausgependelt und verschoben werden. (…)
Gemeinsam malen heißt nebeneinander stehen zu können, ohne dass sich die Ellbogen reiben.
 
Die beiden kennen sich noch nicht so lange, haben aber bereits beide etliche Kollaborationen mit anderen Künstler*innen hinter sich. Ihre unterschiedlichen Geschwindigkeiten fordern beide bis zum entscheidenden Punkt: Eben etwas zu tun, was man alleine nicht tun würde. (…)
Konflikt und Verschwörung, Humor und gegenseitiges Herausfordern lässt sich in den Bildern visuell nachvollziehen. Nicht zu wissen, was der / die andere als nächstes tut, bietet die nötige Freiheit, die eine gemeinsame Arbeit erfordert. Sie steht konträr zur gemeinsamen Absprache oder dem geplanten Werk und findet ihr Glück darin: auch selbst nicht zu wissen, was man als nächstes tun wird.
 
Nach Manuel van der Veen

Fotos von Jens Weyers