Sabine Wewer

INDIAN SILVER

Malerei

 

28. Mai bis zum 2. Juli 2021

Quest, 2020, Acryl / Öl auf Leinwand  -  Silver Glove I, 2020, Öl auf Leinwand

 

Die Künstlerin Sabine Wewer ist Alchemistin.
Ihre Bilder tragen Titel wie THE TAIN OF THE MIRROR,  WHITE GOLD oder
CRYSTAL LAB.
Transformation in chemischer und geologischer Hinsicht wie auch in veränderten Bewusstseinszuständen sind Themen ihrer künstlerischen Arbeit.
Ihre Forschung ist eine Art Suche nach dem Echten oder dem Wahren hinter einer Scheinwelt.

 



KRISTALLINE SOGKRÄFTE
Sabine Wewer führt uns in eine Welt der Zwischenzustände. Auf ihren Gemälden ist die Grenze von Abstraktion und Figuration ebenso aufgehoben wie diejenige zwischen Wirklichkeit, Traum und Fiktion.
Dämmerige Zwischen- und Nachtzustände überwiegen wie auch dunkle, oft gebrochene Farben. Auch wenn die gedämpfte Farbpalette (...) uns (...) in den Wald führt, zeigt sich die Welt in ganz verschiedenen Material- oder vielleicht besser Aggregat- zuständen.
Dieser Begriff bezeichnet qualitativ verschiedene, temperatur- und druckabhängige physikalische Zustände von Stoffen. Dabei werden die Grundeigenschaften fest, flüssig und gasförmig unterschieden, wobei man die ersten beiden Zustände auch als „kristallin“ und „amorph“ differenziert. Veränderungen des Aggregatzustandes entstehen unter anderem durch Schmelzen, Erstarren, Gefrieren, Verdampfen oder Kondensieren. Das Spannungsfeld zwischen dem Flüssigen und Kristallinen lotet die Künstlerin immer wieder aus, so dass die malerische Evokation von Materialqualität fast wie ein alchimistischer Vorgang anmutet. Dass es sich um feste Körper handelt, die sich einst in einem fluiden Zustand befanden, ist nur einer von mehreren Aspekten, auf denen Sabine Wewers grundlegendes Interesse an Kristallstrukturen beruht. Kristalle brechen auch das Licht und lassen Räume optisch vervielfältigt erscheinen.
Und jeder Kristall hat eine geometrische Form mit Achsen und Koordinaten, die Spiegelebenen und Drehachsen dienen können. So führt der Kristall auch zu einem anderen Leitthema in Sabine Wewers Werk, bei dem nicht nur Dinge ornamentale Strukturen oder repetitive Muster bilden, sondern menschliche Körper: dem Tanz, dem vor allem mehrere ihrer Filme gewidmet sind. In einer Reihe von Videofilmen, ...Gypsy Camp/The Lost Tribe, Lucy in the Sky with Diamonds, My Travels with Lianne, Lied der Welt und Liquid Skies folgt die Kamera den kreisenden Bewegungen einzelner oder mehrerer Tänzer und gibt dabei selbst ihren festen Standpunkt auf.
Wenn auch den Tanz nicht direkt thematisierend, bilden die runden Gemälde der seit 1999 als Langzeitprojekt entstehenden Serie Sixth Sense das malerische Pendant zum Thema der kreisenden Bewegung. Solche kreisrunden Bilder, so genannte Tondi, gab es schon in der An- tike. Man findet sie vor allem dort, wo sie in einen architektonischen Zusammenhang eingebettet sind, als Teile eines Dekorationssystems etwa oder als Deckenbilder. Sie bieten die Möglichkeit, auf eine privilegierte, fixierte Betrachterposition zu verzichten, allansichtig zu sein; nicht angewiesen auf die horizontale Blickrichtung wie ein übliches, an der Wand hängendes Tafelbild.(....)
Die Suggestion von Raumtiefe wird durch architektonische Motive erzeugt, die aber auch flächig-ornamental eingebunden werden. Eines der Bilder zeigt die Glasdecke des Kaufhauses Lafayette in Paris, deren Eisenstreben ein Muster bilden, das von der Form einer Wasserqualle inspiriert ist. Immer wieder tauchen ornamentale Muster und Strukturen auf:
Ausschnitte aus einem Kaleidoskop, Blicke in die Augeniris, Smaragdgehänge für Pferde, ein chinesischer Endlosball aus mäandernden Sechsecken oder blaue Vögel, die an Kolibris erinnern. Viele dieser Motive findet Sabine Wewer auf ihren umfangreichen Reisen, so dass die Rundbilder auch so etwas wie verdichtete Erinnerungen an ihre eigenen Bewegungen über den Erdball sind.


(Zitat aus:“ Kristalline Sogkräfte / Die surrealen Bildwelten der Sabine Wewer “, Text von Ludwig Seyfarth im Katalog WHITE GOLD, anlässlich der Einzelausstellung im Syker Vorwerk- Zentrum für Zeitgenössische Kunst, 2015)