2026
Neigh Neigh - Ruth Lübke | Minjeong Park | Martin Reichmann
Grasmond - Gruppenausstellung
Behausung | Malerei von Katrin Schütte
Raya Rubers (9)
22.05. - 26.06.2026
Eröffnung: Freitag, 22. Mai 2026 um 20 Uhr
Es spricht: Prof. Ingo Vetter, Hochschule für Künste Bremen
Finissage mit Führung/Künstler:innengespräch: Freitag, 26.06.2026, 18 Uhr
In der Ausstellung zeigen drei ehemalige Meisterschüler:innen von Prof. Ingo Vetter an der Hochschule für Künste Bremen Arbeiten zum Thema Pferde.
Warum Pferde? Weil sie in der Kunst nie einfach nur Tiere sind. Pferde erscheinen fast immer als Erweiterung des Menschen: als Zeichen von Status, Macht oder Freiheit, aber ebenso als
Projektionsfläche für Nähe, Romantik und Sehnsucht. Kaum ein anderes Motiv ist so stark aufgeladen und zugleich so widersprüchlich. Genau diese Ambivalenz macht es heute schwierig, Pferde ohne
Kontext darzustellen.
Die Ausstellung versammelt drei künstlerische Positionen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Bild des Pferdes beschäftigen – nicht als Naturdarstellung, sondern als kulturelles
Konstrukt, als Geste, Relikt oder Übergangsfigur.
Ruth Lübke (Meisterschülerin 2022-2023) untersucht in Zeichnungen das Pferd als Symbol und Bildträger. Ihre großformatigen Arbeiten zeigen Pferde im Umfeld von Polizisten – Figuren, die selbst
stark codiert sind. Im Zentrum steht der Moment, in dem Rollen sich verschieben und Macht in Fürsorge übergeht. Das Pferd erscheint hier nicht als klassisches Zeichen von Kontrolle oder Stärke,
sondern als sensibles Gegenüber. „Mich interessiert, wie wenig es braucht, damit ein starkes Bild seine Richtung ändert – und plötzlich weich wird.“
Minjeong Park (Meisterschülerin 2024-2025) nähert sich dem Pferd aus einer biografischen und körperlichen Perspektive. Ihre großformatigen Handskulpturen, mit einem 3D-Stift aus modernem Filament
gefertigt, bilden die Geste eines galoppierenden Pferdes. Sie verweisen auf ein kindliches Spiel, entstanden in einer Zeit materiellen Mangels, in der das Pferd nur als Bild existierte. „Meine
Hände wurden zu Pferden“, beschreibt Park diesen Moment, in dem Fantasie, Wunsch und Bewegung in einanderfallen. Ergänzt werden die Skulpturen durch Alltagsmaterialien wie Instantnudeln und
Konservendosen, die auf die Lebensumstände dieser Erinnerungen verweisen.
Martin Reichmann (Meisterschüler 2021-2022) richtet den Blick auf die Gegenwart – und darüber hinaus. Er versteht das Pferd als popkulturelles Phänomen und kurzlebigen Trend: als Meme, Lifestyle
und Projektionsfläche. „Horses are everywhere right now“, schreibt er. Seine Arbeiten fragen danach, was bleibt, wenn dieser Hype vorbei ist. Mit Motiven wie dem Sattel oder dem pferdelosen
Reiterstandbild setzt er bei der Leerstelle an – beim Moment nach dem Pferd.
Gemeinsam verhandeln die drei Positionen das Pferd als Bild zwischen Macht und Spiel, Nähe und Kontrolle, Trend und Erschöpfung. Die Ausstellung fragt nicht, was ein Pferd ist, sondern warum es
immer wieder erscheint – und wie sich dieses Bild verschieben lässt.
„Neigh“ ist das englische Lautwort für das Wiehern eines Pferdes. In der Verdopplung wirkt es fast kindlich oder verniedlichend. Genau diese Verschiebung interessiert die Drei. In der Ausstellung
trifft ein stark aufgeladenes Tier auf ebenso stark codierte Figuren und Bilder – etwa den Polizisten als Symbol von Ordnung und Autorität (Ruth Lübke). In dem Moment, in dem Polizisten sich um
ihre Pferde kümmern, sie beruhigen oder streicheln, kippt etwas: Nicht das Pferd wird niedlich, sondern die Rolle des Polizisten. Diese absurde, beinahe intime Situation – ein Polizist, der
liebevoll mit seinem „Neigh Neigh“ spricht – verbindet sich mit Minjeong Parks spielerischem Zugang zum Pferdebild und Martin Reichmanns Bezug auf popkulturelle Überzeichnung und Trend. Der Titel
beschreibt diesen leisen, merkwürdig komischen Moment der Verschiebung.
Ruth Lübke
Minjeong Park
Martin Reichmann
10.04. - 08.05.2026
Eröffnung: Freitag, 10.04.2026 um 20 Uhr
Finissage: Freitag, 08.05.2026 um 18 Uhr
Der Mond ist nicht nur ein assoziativ aufgeladener Himmelskörper, der als Trabant die Erde umkreist in einer aus kosmischer Perspektive so geringen Entfernung, dass dort noch nicht mal so ganz das Weltall begonnen hat – immerhin ist ein Besuch auf dem Mond eine noch relativ gemütliche Angelegenheit,
denn dort wirkt noch das Erdmagnetfeld als Schutz vor kosmischer Strahlung und sogar geringste,
aber mit modernster Technik noch feststellbare Spuren der Erdatmosphäre reichen bis dort hinauf.
Er wirkt aber auch ganz real auf uns herab mit seiner physikalischen Masse, ist Taktgeber, bewegt das Meer und das Klima und vielleicht wäre Leben ohne ihn auf der Erde so gar nicht möglich. Er regt seit Menschengedenken unsere Fantasie an und lässt mit Grasmond dem Spiel der unkontrollierten Assoziationen freien Lauf.
Ulrich Precht, Mondnacht I, 2026, Pastellkreide
Diana Mercedes Alonso, o.T., 2025, Acryl und Graphit auf Holz
Thomas Behling, Like mars but hotter, 2025
Boris Duhm, Interplanetar Beings, 2024, Öl, Lack, Sprühfarbe, Druckfarbe, Aluminiumfolie, Papier und Kunststofffolie auf Leinwand.
Christian Psyk, Möbius XIV, 2024, Objektkasten
Gisela Winter-Weltz, Nacht, 2011/2012, Öl auf Leinwand
o.T., Mischtechnik auf Papier, 40x50 cm
06.02. - 20.03.2026
Eröffnung: Freitag, 6. Februar 2026 um 19 Uhr
Es spricht Conny Wischhusen
Führung und Gespräch mit der Künstlerin: Donnerstag, 12.03.2026 um 18 Uhr
In Katrin Schüttes künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Haus und Gebäude steht die symbolhafte Darstellung unseres menschlichen Wohnraumes im Mittelpunkt. Das Haus erscheint dabei als universelles Zeichen, das weit über seine Funktion als architektonischer Schutzraum hinausweist. In einer Zeit des Wohnraummangels und sozialer Unsicherheit, in der viele Menschen in provisorischen Unterkünften, Zelten oder Notquartieren leben, wird das Haus zu einem ambivalenten Symbol: Es steht gleichermaßen für Geborgenheit und Verlust, für Verortung und Entwurzelung.
Die Malerin beschäftigt sich mit der Urform des Hauses – reduziert auf seine wesentlichen Elemente – und untersucht, wie sich diese archetypische Gestalt in unterschiedlichen formalen und malerischen Ansätzen transformieren lässt. Die Häuser erscheinen als Chiffren, als kulturell gespeicherte Bilder, die in jedem Betrachtenden eigene Erinnerungen und Assoziationen hervorrufen. So wird das Haus zu einem Projektionsraum für individuelle wie kollektive Vorstellungen von Heimat, Identität und Schutz.
Ihre in Öl oder Acryl auf Leinwand ausgeführten Arbeiten bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Durch dynamische Pinselstriche, Überlagerungen und Farbbewegungen entstehen Bildräume, in denen Aufbau und Zerstörung ineinander übergehen. Die Hausformen tauchen fragmentarisch auf, lösen sich wieder auf oder bleiben als Spur im Farbgrund bestehen. In anderen Werken sind nur noch Linien, Strukturen oder rhythmische Muster sichtbar, die an die Idee eines Hauses erinnern, ohne sie konkret zu benennen.
Die Symbolkraft der Formen lädt zur Reflexion ein: Die Betrachtenden formen in der gedanklichen Auseinandersetzung ihr eigenes Haus, ihre eigenen Vorstellungen von Raum und Zugehörigkeit. Auf diese Weise wird das scheinbar einfache Motiv zu einem Medium, das zwischen persönlicher Erinnerung, sozialer Realität und künstlerischer Geste vermittelt.
Lager, Acryl auf Leinwand, 150x155 cm Überflutung, Acryl auf Leinwand, 140x160 cm